Verletzlich

Verletzlichkeit am Arbeitsplatz

Wir alle wollen gerne stark sein, vor allem am Arbeitsplatz. Wer zeigt gerne seine Schwächen? Wer gibt direkt zu, etwas nicht zu wissen? Fällt Ihnen das leicht? Früher konnte ich das nur sehr schwer, meine Schwächen zeigen. Wie die meisten Menschen um mich rum war auch ich so geprägt, besser nicht zuzugeben, eine Wissenslücke zu haben. Noch schwerer fiel es mir zuzugeben, etwas verkehrt gemacht zu haben. Kennen Sie bestimmt: Man hofft, dass es niemand merkt und man es direkt selbst noch ausbügeln kann. Wenn das jedoch nicht geht, was dann?

Natürlich denken wir Menschen meistens, wir seien alleine mit unseren Schwächen und Problemen. Ich versuchte schon recht früh, einen offeneren Umgang zu finden. es scheiterte daran, dass ich nicht den Eindruck hatte, dass es gut für mich war. So habe ich es schnell wieder gelassen.

Vertrauen und Verletzlichkeit

Nun stieß ich kürzlich in einem Buch auf einen wunderbaren Gedankengang: Vertrauen und Verletzlichkeit gehen miteinander einher. Wenn ich meinen Vorgesetzten und Kolleg*innen vertrauen kann, kann ich mich verletzlich zeigen, was unter anderem bedeutet, dass ich  zugeben kann, eine Wissenslücke zu haben oder eben einen Fehler gemacht zu haben.  Das bedeutet in der Folge, dass sich die Menschen an ihrem Arbeitsplatz trauen, sich einzubringen und sich etwas zutrauen. Eine solche Atmosphäre des Vertrauens öffnet ungeahnte Möglichkeiten:

  • Die Menschen sind mit ihrem Herzen bei ihrer Arbeit
  • Sie helfen sich gegenseitig bei Problemen, weil sie wissen, dass es Jede/n betreffen kann
  • Sie setzen sich für ein gutes Arbeitsumfeld und eine gute Atmosphäre ein
  • Sie bringen sich mehr ein, als sie müssten, weil sie es selbst möchten
  • Größere Fehler können von vornherein vermieden werden

Je größer das Vertrauen im Team, umso leistungsstärker wird es sein. Je weniger Vertrauen in einem Team oder einem Unternehmen vorhanden ist, umso größer ist die Gefahr, dass die Menschen lügen und sich verstellen, weil sie Angst haben, bloßgestellt oder gedemütigt zu werden.

Gerade im Gesundheitswesen ist Vertrauen eine enorm wichtige “Währung”, wenn nicht sogar die wichtigste. Unsere uns anvertrauten Patient*innen vertrauen uns, dass wir sie im Heilungsprozess bestmöglich unterstützen und die notwendigen Maßnahmen ergreifen. Sie vertrauen uns im OP-Saal ihr Leben an – im Vertrauen, dass sie gut operiert werden und wieder aus der Narkose aufwachen. Auch in allen anderen medizinischen Disziplinen vertrauen Ihnen die Menschen, dass Sie mit ihnen zusammen den besten Weg zur Genesung und Heilung suchen und finden. Ist es da nicht umso mehr notwendig, sich in den Teams zu vertrauen?

Ich erinnere mich gut daran, dass mir als noch sehr junge Krankenschwester ein Fehler unterlaufen ist. Ich bemerkte ihn sofort, nachdem er mir passierte. Die Minuten danach waren sehr schlimm. Was zu tun war, war mir direkt klar: Ich musste den Fehler zugeben, um dem Patienten nicht zu schaden. Ich hatte mit meinen Ängsten und meiner Scham zu tun, dass mir (!) das passiert war. Mein Zwischenschritt war die Stationsleitung. Zugegeben, ich hoffte ein bisschen, dass sie mir das Telefonat beim zuständigen Arzt abnehmen würde. Tat sie natürlich nicht – sie unterstütze mich jedoch dahingehend, den Anruf selbst zu tätigen. So “musste” ich selbst anrufen. War auch gut und richtig so. Es war dann nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte und die Geschichte ging gut für alle Beteiligten aus.

Wohlwollen

Wenn sich bei Ihnen nun jemand öffnet, weil ihm oder ihr ein Fehler unterlief, seien Sie versichert, das ist für den Menschen schon schwer genug, zu Ihnen zu kommen. Danken Sie dafür, dass er sich getraut hat, Sie zu informieren und suchen Sie nach einer Lösung. Entlasten Sie ihn. Sie wissen es sicher selbst: Dieser Fehler wird diesem Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr unterlaufen. Mir ist der oben erwähnte Fehler jedenfalls nie mehr passiert.

Wie offen geht es in Ihrem Team zu?

Wie vertrauensvoll ist die Atmosphäre in Ihrem Team? Wie viel Vertrauen haben Sie als Führungskraft in Ihre Mitarbeiter*innen – und umgekehrt Sie als Mitarbeiter*innen in Ihre Führungskraft? Was für Möglichkeiten würden sich ergeben, wenn es Ihnen gelingen würde, einen offenen und vertrauensvollen Umgang miteinander zu pflegen?

Vertrauen stellt sich übrigens nicht von selbst ein. Allem voran gehört es zum Führungsstil, welche Atmosphäre in einem Team gelebt wird. Das ist zunächst Arbeit, je nachdem, wie der Ist-Zustand im Team oder Unternehmen ist. Vertrauensbildende Maßnahmen können einige Monate in Anspruch nehmen, bis eine neue Teamkultur aufgebaut ist. Sie werden mir jedoch zustimmen, dass es ein lohnendes Unterfangen ist. Denn am Ende führt ein vertrauensvolles Miteinander zu besseren Ergebnissen und einem leichteren Arbeitstag.

Sollten Sie mit Ihrem Team in einer Vertrauenskrise stecken, scheuen Sie sich nicht, ein Teamcoaching zu buchen. Mit Moderation geht es in der Regel leichter.

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