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Früher war alles besser

Haben Sie sich auch schon dabei ertappt, Sätze mit “früher war das viel besser, denn….” und dann ergänzen Sie diesen Satzanfang passend zu dem Thema, über das Sie sich in dem Moment austauschen. Ja, stimmt, früher war wirklich alles viel besser. Auszubildende wurden früher herzlich aufgenommen und geduldig in die Welt des Unternehmens, der Klinik oder der Praxis eingeführt. Sie wurden an die Hand genommen, man hat bei Bedarf die Dinge gerne mehrmals erklärt. Sollte der oder dem Auszubildenden ein Fehler unterlaufen, na, dann erklärte man es eben nochmal. War ja nicht so schlimm. Am besten hatten es Auszubildende, die Ideen hatten. Die darauf aufmerksam machten, dass sie es im theoretischen Unterricht aber ganz anders lernen würden. Voller Freude wurden dann sofort an der Wirkstätte die notwendigen Erneuerungen umgesetzt. Die langjährig im Beruf arbeitenden freuten sich wirklich sehr über junge und dynamische Mitarbeiter*innen. Endlich gab es wieder Bewegung. Endlich war man wieder auf dem neuesten Stand der Wissenschaft und der Technik. Besonders paradiesisch war die Tatsache, dass es jederzeit genug Personal gab und kaum Ausfälle durch Krankheit. Und wenn mal wer krank war, dann blieb der auch nur zu Hause, wenn er wirklich nicht arbeiten konnte. Auch mit den Chefs lief es früher so richtig gut. Denen war es enorm wichtig, dass es ihren Mitarbeiter*innen so richtig gut geht und dass sie gerne zur Arbeit kommen.

Ja, früher war wirklich alles besser.

War das so?

Nun, da sollten wir zunächst klären, um welches früher es geht. Wenn ich mich mit Anfang 20-jährigen unterhalte, muss ich schmunzeln, wenn schon sie vom besseren “früher” sprechen. Sie haben vermutlich sofort beim Lesen der Einleitung gemerkt, dass der Text nicht ganz so ernst gemeint ist. Wir neigen dazu, unser “früher” in Erzählungen auszuschmücken, zu verklären oder in anderen Fällen halten Menschen an ihren schlimmen Erfahrungen ihres “frühers” fest. Beides ist tückisch. Denn wenn wir aus diesen Erlebnissen unsere Gegenwart gestalten, kann das in dem einen Fall dazu führen, dass wir in der Rückschau tatsächlich die nicht so guten Umstände enorm verklären und im anderen Fall, dass aus den eigenen negativen Erlebnissen heraus das Verhalten gegenüber jungen Menschen unfair wird.

Denken Sie an eine junge, dynmische und hochmotivierte Pflegeschülerin, die Lust am Beruf hat, die noch Energie hat und ein fröhliches Grundwesen. Stellen Sie sich daneben eine anleitende Pflegefachkraft vor, die richtig gut ist in ihrem Beruf, der jedoch seit Jahren die Wertschätzung verwehrt wird, die sie so dringend bräuchte, eine Frau, die auch mal so fröhlich war, wie die junge Auszubildende, der man jedoch schnell klar machte, dass die Pflege ein ernster Beruf sei und zum Lachen keine Zeit da ist. Zumal das bedeutet, dass man nichts zu arbeiten habe.

Da prallen Welten aufeinander. Das ist ein echter circulus vitiosus. Ein Dilemma.

Nein, früher war nicht alles besser. Es war anders. Die Bedingungen waren andere. Ja, die Digitalisierung und das Internet haben sicher vieles verändert und das Leben gefühlt schneller gemacht. Es gab jedoch in jeder Zeit schwierige Menschen, Menschen in Schwierigkeiten, Menschen mit fröhlichem Gemüt, laute Menschen, leise Menschen, bruddlige Menschen. Menschen, die das Leben leicht nahmen und solche, die es schwer nahmen. Die gab es damals genauso wie heute.

Es gab schon immer Unternehmen, die eine niedrige Fluktuation hatten und andere, die ständigen Personalwechsel haben.

Spuren

Die Frage sollte doch vielmehr sein, welche Spuren möchten wir im Leben hinterlassen? Wenn Sie mit jungen Menschen zu tun haben, haben auch Sie eine Verantwortung. In erster Linie die Verantwortung für sich selbst, für Ihre Gedanken und Ihre Gefühle. Für all das, was Sie in Ihrem Leben vielleicht verpasst haben an Chancen und ungenutzten Möglichkeiten, für all die Male in Ihrem Leben, wo Sie nicht das taten, was Sie im Nachhinein gerne getan hätten, für all das kann dieser junge Mensch vor Ihnen nämlich rein gar nichts. Er spiegelt Ihnen das unter Umständen. Wenn Sie spüren, dass  die Jungen an Ihrem Arbeitsplatz in Ihnen negative Gefühle auslösen, schauen Sie hin, was genau Sie nervt. Nervt Sie die Leichtigkeit der Jugend als solches? Nervt es Sie, dass die Jungen es anders machen – und es trotzdem gut wird? Was genau gefällt Ihnen nicht? Stört es Sie vielleicht sogar, dass die Jungen noch ihr ganzes Leben vor sich haben und sich einfach mehr Freiheiten nehmen, als Sie es sich je getraut hätten? Auch wenn es zunächst schmerzlich scheint, wenn Sie hinschauen, kommen Sie sich auf die Spur und können sich vielleicht sogar von der Leichtigkeit der Jungen anstecken lassen. Und mit ihnen ins Gespräch kommen über deren Ansichten und Einstellungen zum Leben. Trauen Sie sich und schauen Sie, was sich für Sie verändert.

Träume

Bist Du so ein junger dynamischer Mensch, der sich über “die Alten” aufregt, weil die so unbeweglich sind und so an ihrem Status und an früher festhalten? Nervt es Dich, dass Du gefühlt auf Granit stösst mit all Deinen Fragen und Ideen? Du merkst, dass Deine Lust am Arbeiten immer mehr schwindet, weil Du vor allem herumgeschickt wirst und Dich wie ein kleines Kind behandelt fühlst? Das ist in der Tat eine doofe Situation. Da würde man gerne sofort das Handtuch schmeißen. Sollen die doch sehen, wo sie bleiben, die Alten mit ihrem vorgestrigen Denken.

Ist das fair?

Für viele Menschen, die schon lange im Beruf stehen, nebenbei Kinder aufgezogen haben und unter Umständen jetzt noch für die Pflege der eigenen Eltern zuständig sind, kostet oft die Alltagsbewältigung enorm viel Energie. Sie sind froh, wenn sie ihre Arbeit routiniert ausüben können. Manche hatten andere Pläne für ihr Leben, aber dann mussten sie Geld verdienen, sind wegen der Kinder geblieben, usw. Sie waren auch mal die, die Träume hatten und so dynamisch in den Beruf gestartet sind, wie Du es tust. Wenn man nicht gut auf sich aufpasst, kann es sein, dass die gute Energie auf der Strecke bleibt.

Miteinander reden

Egal, zu welcher der Gruppen Du/Sie nun gehören, eine gute Möglichkeit, sich besser zu verstehen und dadurch auch gut miteinander arbeiten zu können, ist das gemeinsame Gespräch. Ihr Jungen, fragt doch mal die Alten danach, was sie früher verrücktes gemacht haben, wie sie angetreten sind, wie sie als Auszubildende oder Studenten so waren. Wie es ihnen erging an ihrem ersten echten Arbeitsplatz oder ihrem ersten praktischen Platz. Hört ihnen zu, auch wenn sie eventuell schwelgen und ausholen.

Ihr Alten, kommt mit den Jungen ins Gespräch, fragt sie, was sie antreibt. Schaut hin, was sie können, obwohl sie jung sind.

Bereicherung

Wenn ich Workshops mit jungen Menschen habe oder im privaten Bereich mit ihnen zu tun habe, unterhalte ich mich gerne mit ihnen – über ihre Träume, was sie schon erlebt haben, was sie antreibt. Ich bin immer wieder begeistert, mit welchen Gedanken sich viele beschäftigen, was ihre Werte und Ziele sind. Sie möchten gestalten. Sie möchten ernst genommen werden. Sie möchten wachsen und sich entfalten. Genauso, wie wir es selbst als junge Menschen auch wollten. Ja, man muss sich darauf einlassen. Man muss für sich offen und flexibel sein, sonst funktioniert es nicht. Ich kann jedoch versichern, dass es bereichernd ist, sich einzulassen. Darüber hinaus erlebe ich die jungen Menschen als interessiert und auch sehr dankbar, wenn ich sie an meinen Lebenserfahrungen teilhaben lasse.

Lasst euch doch ganz neu aufeinander ein. Seid neugierig auf die jeweils andere Altersgruppe. In jedem Alter hat man was zu geben. Ich war schon immer neugierig auf die Geschichten der Menschen – früher eben auf die Geschichten der Alten – und heute interessieren mich beide – die, die älter sind, als ich und eben die jungen Menschen. Ich gebe zu, dass ich bei jungen Menschen gerne so in Erinnerung bleiben möchte, dass ihnen die Begegnung mit mir eine Inspiration war und eben bereichernd.

Ich freue mich über Deine/Ihre Erfahrungen und Gedanken zu diesem Thema. Gerne als Kommentar oder direkte MAIL an mich: info@silke-wuestholz.de

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